Noch bevor ich gestern mit meiner Qigong-Präsenz-Sitzung begonnen…
Der Weg entsteht, wenn Du ihn gehst
Ende Juni hat mein Taichi-Lehrer aufgehört. Fünfzehn Jahre lang bin ich zu ihm gegangen. Dann war ein Abend der letzte, und ich habe genickt, als hätte ich verstanden.
Verstanden habe ich es Wochen später. Was fehlt, wenn ein Lehrer aufhört, ist nicht der Unterricht. Es ist der Blick. Da war jemand, der bei jeder Bewegung wusste, wofür sie da ist, und der es sofort sah, wenn eine Geste leer blieb. So jemanden ersetzt man nicht. Man vermisst ihn.
Der Sommer war entsprechend still. Ich habe weiter geübt, aber es war ein Üben ohne Gegenüber. Ich will diese Wochen nicht kleiner reden, als sie waren. Es war Trauer, und sie hatte ihre Zeit.
Und dann stand plötzlich eine andere Tür offen.
Ich habe sie nicht gesucht. Das ist mir wichtig zu sagen, weil es nach einer dieser Geschichten klingen könnte, in denen jemand tapfer nach vorne schaut. So war es nicht. Ich habe erst gemerkt, dass sie offen steht, als ich schon halb hindurch war. Die Frage war auf einmal nicht mehr, ob ich meinen eigenen Unterricht ernster nehme, sondern wann.
Jetzt kommt der unromantische Teil.
Man stellt sich das vielleicht feierlich vor: Ein Mensch beschließt, seinen Weg zu gehen, und der Rest fügt sich. In Wirklichkeit habe ich die letzten Wochen an einer Anmeldeseite gesessen. An einem Buchungsformular, das Vorname, Name und E-Mail abfragt und danach, ob Du in den Raum kommst oder über Zoom dabei bist. An AGB mit Widerrufsbelehrung. An einem Kündigungsbutton, den das Gesetz so vorschreibt. An einer Erinnerungsmail, die Dir dreißig Minuten vor Kursbeginn den Zugangslink schickt, damit Du nicht suchen musst. Ich habe Testbuchungen durchgeklickt, bis es sauber lief, und ein paar Dinge repariert, die beim ersten Versuch nicht funktioniert haben.
Nichts davon steht im Daodejing.
Trotzdem war genau das der Weg. Nicht die große Klarheit, sondern das Formular. Jeder einzelne Schritt war klein und ziemlich banal, und zusammen ergeben sie etwas, das es vor drei Monaten noch nicht gab.
Zhuangzi hat dafür den Satz, der mir seit dem Sommer nicht mehr aus dem Kopf geht:
Ein Weg entsteht dadurch, dass man ihn geht. Kein Pfad liegt fertig da und wartet darauf, gefunden zu werden. Er wächst unter den Füßen.
Wer wartet, bis er die ganze Strecke überblickt, geht nie los, denn vorher gibt es nichts zu sehen.
Das nimmt einem jede Ausrede. Und es ist das Tröstlichste, was ich kenne.
Mein Lehrer hat mir nie gezeigt, wohin der Weg führt. Er hat mir das Gehen beigebracht. Das bleibt, auch wenn er nicht mehr daneben steht.
Also gehe ich weiter, und zwar ab Oktober in größerem Rahmen:
Es gibt einen neuen Qigong-Kurs, freitags, 18-19 Uhr, hybrid. Präsenz im Baltic Yoga Center in der Alten Weide in Kiel, gleichzeitig live über Zoom, wenn Du zu weit weg wohnst oder der Abend anders läuft als geplant. Eine einzelne Stunde kostet 15 Euro, im Monatsabo sind es 30 Euro für alle Termine. Einstieg und Ausstieg jederzeit, ohne Mindestlaufzeit. Vorkenntnisse brauchst Du keine. Der Midweek Qigong Livestream läuft daneben weiter wie bisher.
Ich weiß nicht, wohin das führt. Das ist keine Koketterie, ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß nur, dass der nächste Schritt ansteht und dass ich mich über Dich an meiner Seite freuen würde.
Wenn Du magst, komm dazu. Der erste Schritt genügt.

