Kleine Freude, große Wirkung
Als ich heute mit dem Auto durch das graue und verschneite Kiel zu meinem Qigong-Unterricht in Altenholz fuhr, ist mir am Straßenrand ein Schuljunge aufgefallen, der mit großem Spaß auf einen herabhängenden Ast geschlagen hat, der voller Schnee war und Konsequenz: Der ganze Schnee prasselte natürlich auf ihn herunter und was dann geschah, hat mich fast zu Tränen gerührt: Der Junge stand einfach nur da und hat sich von Herzen gefreut und gelacht. Ist das zu fassen? Hättest Du das auch gemacht? Ich (leider) nicht! Und ich habe mich soooo für ihn (und für mich) gefreut.
Maximales Yang (Lachen, Freude) im maximalen Yin (Kern-Winter).
Das können nur Kinder oder Erwachsene, die Kinder geblieben sind.
Diese Szene, dieser Junge hat mir so sehr den Spiegel vorgehalten und mich selbst erinnert, nein ermahnt: Blicke auf das, was Dich umgibt und mache es Dir uneingeschränkt zur Freude! Immer!
Der Kern-Winter ist die Zeit des maximalen Yin, des maximalen Zusammenziehens. Wir ziehen uns zurück in unsere Höhlen und machen Winterschlaf. Der Winter ist in der TCM dem Wasser-Element zugeordnet, das mit den Gefühlen Angst und Furcht verbunden ist. Und gerade diese Gefühle nehmen in der Winterzeit oft viel Raum ein, meist jedoch zu viel Raum.
Spontan habe ich meine geplante Qigong-Stunde umgestrickt und Übungen eingebaut, die uns Raum geben, die uns groß machen, auch in einer Zeit, in der wir klein sind und diese auch in meine Midweek-Qigong-Sitzung eingebaut:
Uns Raum geben und diesen Raum behaupten, damit nur unsere Energie darin fließen kann, ist in dieser Zeit so wichtig und ich danke dem Jungen am Straßenrand. Ich denke immer wieder gerne an diesen Moment zurück.
Plötzlich hupt es hinter mir. Im Rückspiegel erscheint wieder das grimmige Gesicht des Alltags, das mich wieder schiebt und drückt, aber ich lasse ihn – wenn auch nur für den Moment – nicht mehr in meinen Raum hinein und suche mir meinen großen schneebedeckten Ast :-).

